Lösen Karies-Bakterien Parkinson aus? Neue Studie hegt einen schweren Verdacht
Dass Mundgesundheit und die allgemeine Gesundheit enger zusammenhängen, als viele Menschen vermuten ist in Wissenschaft und Forschung schon länger ein Thema intensiver Untersuchungen. So können etwa Karies oder Parodontitis das Herz-Kreislauf-System belasten und das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhen.
Doch eine neue Studie macht nun auf einen noch überraschenderen Zusammenhang aufmerksam und sorgt für Aufsehen unter Zahnmedizinern: Das Kariesbakterium Streptococcus mutans könnte an der Entstehung der Parkinson-Krankheit beteiligt sein. Doch was steckt wirklich hinter dieser These? Und was bedeutet das für Sie und Ihre Zahnpflege?
Die neue Studie: Vom Mund in den Darm – und ins Gehirn
In einer im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Studie haben Forschende das Zusammenspiel von Mundflora, Darm und Gehirn untersucht. Sie fanden bei Menschen mit Parkinson vermehrt das Bakterium Streptococcus mutans in der Darmflora und konnten höhere Konzentrationen des Stoffwechselprodukts Imidazolpropionat nachweisen.
Offenbar kann das Bakterium über Speichel und geschluckten Zahnbelag den Verdauungstrakt erreichen und sich dort dauerhaft ansiedeln. Das allein klingt bereits überraschend. Wichtiger ist aber, was dort im Darm passiert.
Streptococcus mutans aktiviert im Darm eine spezielle Enzymmaschinerie. Diese Enzyme bauen Nahrungsbestandteile so um, dass der Stoff Imidazolpropionat entsteht. Dies ist ein bakterieller Metabolit, der auch im Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes diskutiert wird. Imidazolpropionat verbleibt aber nicht im Darm, sondern gelangt ins Blut, verteilt sich im Körper und überschreitet schließlich die Blut-Hirn-Schranke.
Parkinson ist eine komplexe Erkrankung
Im Gehirn steht Imidazolpropionat in Zusammenhang mit dem Absterben von Nervenzellen, mit Entzündungsreaktionen und mit der Bildung von Alpha-Synuclein-Ablagerungen, den typischen Kennzeichen von Parkinson, einer chronische Erkrankung des Nervensystems, die vor allem durch das Absterben bestimmter Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist.
Typische Symptome sind Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsarmut. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt Hinweise darauf, dass sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Die neue Studie fügt nun eine weitere mögliche Komponente hinzu, und zwar die Mundgesundheit.
Tierversuche erhärten den Verdacht
Die Forschenden führten in der Studie Versuche an Mäusen durch, um den Mechanismus besser zu verstehen. Tiere, deren Darm gezielt mit Streptococcus mutans besiedelt wurde, entwickelten erhöhte Imidazolpropionat-Spiegel und zeigten Einschränkungen in der Motorik. Im Nervengewebe wurden zudem Entzündungsreaktionen und ein Verlust dopaminerger Zellen – Zellen, die Dopamin produzieren – sichtbar. Diese Zellen sind genau jene, deren Absterben bei Parkinson die typischen Bewegungsstörungen verursacht.
Wichtige Einschränkung: Karies verursacht nicht zwingend Parkinson
So spannend diese Befunde sein mögen, ist doch eine klare Einschränkung notwendig. Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Karies zwingend Parkinson verursacht. Sie zeigen auch nicht, dass jeder Mensch mit diesem Bakterium erkrankt. Entscheidend scheint das Zusammenspiel aus Bakterienmenge, Aktivität und individuellen Faktoren zu sein.
Die Studie legt nahe, dass eine starke und dauerhafte Besiedlung mit bestimmten Streptokokkenstämmen eine zusätzliche Gefahr darstellen könnte, vor allem, wenn weitere Faktoren wie Umweltbelastungen oder genetische Veranlagung hinzukommen.
Was bedeutet das für Ihre Zahnpflege?
Mundhygiene galt bisher vor allem als Schutz für Zähne und Zahnfleisch. Die neuen Befunde legen nahe, dass sie Teil eines größeren Systems ist. Der Mundraum verfügt über die Darmflora über eine direkte Verbindung zum Gehirn. Deshalb könnten Veränderungen in der Mundflora unter Umständen indirekt Einfluss auf Prozesse im Nervensystem nehmen.
Allgemein ist dies ein weiteres Argument für die Aussage, dass eine konsequente Vorsorge mehr ist als eine ästhetische Frage. Wenn Sie regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung gehen, Karies frühzeitig behandeln lassen und auf eine gute tägliche Mundhygiene achten, schützen Sie nicht nur Ihre Zähne, sondern möglicherweise auch Ihre allgemeine Gesundheit langfristig.
Die Leiterin der Studie, Ara Koh, betont dementsprechend, dass die Untersuchungen vor allem ein mechanistisches Verständnis dafür liefern, „wie orale Mikroben im Darm das Gehirn beeinflussen und zur Entwicklung der Parkinson-Krankheit beitragen können“. Dieser Satz macht deutlich: Die Zahngesundheit ist keine Nebensache, sondern ein Fenster in den Gesamtzustand des Körpers.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Mundgesundheit haben oder einen Termin zur Vorsorgeuntersuchung vereinbaren möchten, sprechen Sie uns gerne an. Wir sind für Sie da.